Bundesweite naturschutzfachliche Bedeutung der

Südharzer Karstlandschaft und des Karstwanderweges

Am Südrand des Harzes erstreckt sich eine Karstlandschaft über 100 km Länge, von Pölsfeld in Sachsen-Anhalt über Neustadt in Thüringen bis nach Osterode in Niedersachsen. Hier treten Zechsteinablagerungen mit gut wasserlöslichen Gipsen, Anhydriten und Salzen zutage. Durch diese Verkarstung entstanden und entstehen noch unterschiedlichste Geländeformen, die eine besondere Artenmannigfaltigkeit in der Pflanzen- und Tierwelt aufweisen. Diese bizarre Landschaft, die mit ihren mosaikartigen, kleinflächigen Strukturen typische Lebens- und Nutzungsformen prägte, ist einmalig in Europa. Sie gilt sowohl hinsichtlich ihrer flächigen Ausdehnung als auch der hohen natürlichen und geologischen Vielfalt der ausgeprägten Karstbildungen als das bedeutendste und reizvollste Gipskarst-Gebiet Europas. Sie wird im Gegensatz zu der Mehrzahl der Karstgebiete nicht von Kalkstein, sondern von Sulfatgesteinen gebildet. Diese stehen hier großflächig an der Oberfläche an und bestehen aus Anhydrit und besonders Gips. In Mitteleuropa sind derart großflächige und in der Mächtigkeit und Ausprägung vergleichbare Ausstriche von Gipsgestein nur in der Zechsteinlandschaft des Südharzes zu finden. Karst in Sulfatgesteinen ist relativ selten und es gibt weltweit nur wenige aktive zusammenhängende Karstregionen des Sulfatkarstes.
Die Löslichkeit von Sulfatgesteinen übersteigt jene von Kalkgesteinen um mehr als das Einhundertfache, so dass die Verkarstung hier ungleich schneller voranschreitet.
Die humiden Klimabedingungen im Südharz fördern zusätzlich die Verkarstung.
Charakteristisch sind das bewegte Relief und die Vielzahl der karstspezifischen kleinräumig stark gehäuft auftretenden Geländestrukturen wie Fels- und Gesteinsdurchragungen, Schutthalden, Gipsquellkuppen und -buckel, Dolinen, Erdfälle, Höhlen, Ponore, Auslaugungstäler, Abrissspalten und Karstquellen.
Gerade diese Sonderstrukturen bedingen, in Verbindung mit oftmals noch hohen Alt- und Totholzanteilen, die bemerkenswerte Biodiversität der Wälder des Projektgebietes, welches als biogeografischer "hot spot" durch das Vorkommen arktisch-alpiner Floren- und Faunenelemente und zahlreicher Endemiten und Reliktarten herausragend ist.

Die Karstlandschaft des Südharzes weist eine einzigartige Biotop- und Artenausstattung auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Karstgebieten der Erde ist sie von Vegetation bedeckt, wobei Wälder vorherrschen, weshalb sie auch als "Grüner Karst" bezeichnet wird.  
Flächenmäßig dominierend sind die Rotbuchenwälder, welche zugleich die überwiegende potentiell- natürliche Vegetation darstellen.
Eine besondere Form ist der im Projektgebiet verbreitete Karstbuchenwald.
Weitere wertgebende und besonders schutzwürdige Waldtypen sind Orchideenbuchenwälder, Schlucht- und Schatthang- sowie Eichen-Trockenwälder.

Der Zechsteingürtel/Harzvorland ist aus den genannten Gründen nicht nur aus nationaler, d.h. gesamtstaatlich-repräsentativer Sicht, sondern auch aus der europäischen Perspektive von herausragender Bedeutung.

Die Südharzer Karstlandschaft ist wesentlicher Bestandteil des künftigen Naturparkes Südharz (Flyer Anlage 1), für dessen Ausweisung in Ergänzung des in Sachsen-Anhalt angrenzenden Naturparkes "Harz" gegenwärtig die Voraussetzungen geschaffen werden. Der Südharz wird damit zukünftig für die Erholung der Menschen gemäß § 27 Bundesnaturschutzgesetz eine verstärkte Position in der Urlaubsregion Harz spielen.

Karstwanderweg "Südharz"

Kernstück der Südharzer Karstlandschaft bildet der "Karstwanderweg Südharz", der sich kreisübergreifend von Osterode am Harz über Nordhausen bis nach Sangerhausen über 3 Bundesländer erstreckt. (vgl. www.karstwanderweg.de)

Der Karstwanderweg ist nicht nur ein real existierender Weg, sondern steht vielmehr für eine Leitidee. Zum einen konzentrieren sich entlang des Weges die vielseitig erlebbaren Besonderheiten und Erscheinungen der Karstlandschaft mit ihrer außergewöhnlichen Flora, Fauna, zum anderen umfasst er Themen, wie Geo- und Biowissenschaften, Karstkunde und Rohstoffe, Umwelt- und Naturschutz, Waldökologie und Forstwirtschaft, Archäologie, Siedlungs-, Wirtschafts- und Territorialgeschichte sowie Förderung des ländlichen Raums.

Bindeglied zwischen dem durch die Landkreise Mansfeld-Südharz im Osten und Osterode im Westen verlaufenden Karstwanderweg ist der 53 km lange Nordhäuser Abschnitt, der in Trägerschaft des Landkreises Nordhausen im Jahr 1992 durch Eigen- und Fördermittel sowie Maßnahmen des 2. Arbeitsmarktes eingerichtet wurde.

Abgrenzung der Region

Der Thüringer Anteil der Gipskarstlandschaft liegt vollständig im Landkreis Nordhausen. Er erstreckt sich am Südrand des Thüringer Harzes von der niedersächsischen Landesgrenze im Westen bis zur sachsen-anhaltischen Landesgrenze im Osten.
Im Norden wird die Gipskarstlandschaft von der Abdachung des Harzes und im Süden von der Helmeniederung begrenzt.
Das Gebiet berührt die Gemarkungsflächen der Städte Nordhausen und Ellrich mit ihren Ortsteilen sowie die Gemeinden Hohenstein, Harzungen, Neustadt und Buchholz.

Im Zechsteingürtel befinden sich mehrere ausgewiesene Naturschutzgebiete (NSG) mit einer Fläche von 1.171,9 ha und Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete mit 2.904 ha (Anlage 3)

Die europäische Bedeutung der Südharzer Karstlandschaft widerspiegelt sich auch in der Kulisse der Natura-2000-Gebiete, welche der Freistaat Thüringen an die EU- Kommission gemeldet hat. In der Anlage 4  sind die wichtigsten in der Gipskarstlandschaft des Südharzes vorkommenden Lebensraumtypen und Arten nach der FFH-Richtlinie zusammengestellt.


Sozio-ökonomische Situation

Das Projektgebiet ist durch eine historisch gewachsene Siedlungsstruktur und eine unverwechselbare Kulturlandschaft charakterisiert.
Außerhalb  der Siedlungsbereiche ist es durch eine Vielfalt an Oberflächenformen infolge natürlich entstandener geologischer Verhältnisse, ausgedehnte Waldflächen und die aktive Einwirkung des Menschen auf seine Umgebung, z.B. durch traditionelle Hutungen geprägt, die bereits seit Jahrhunderten einer land- und forstwirtschaftlichen Nutzung unterliegen.
Viele der wertvollen Lebensraumtypen des Offenlandes, insbesondere die Trockenrasen- und Halbtrockenrasengesellschaften, aber auch die Streuobstwiesen mit ihrem Artenreichtum sind das Ergebnis Jahrhunderte langer nachhaltiger Nutzung durch die Landwirtschaft. Beweidung und Mahd schufen für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten die Lebensgrundlagen.
Ein in den letzten Jahren zu verzeichnender Strukturwandel in der Landwirtschaft führte auf vielen Flächen zu eingeschränkter Bewirtschaftung, die Streuobstnutzung kam nahezu zum Erliegen. Es besteht die Gefahr, dass diese wertvolle Kulturlandschaft durch Verbuschung und letztendlich durch Bewaldung verloren geht. Deshalb besteht die Notwendigkeit, Maßnahmen der nachhaltigen Nutzung zur Erhaltung der Landschaft, insbesondere durch extensive Beweidung und Mahd zu fördern.
Zahlreiche kleine Flächen können nur durch aufwändige Handarbeit erhalten werden, so Feucht- und Streuobstwiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Heideflächen u.a. Hier ist der Einsatz qualifizierten Natur- und Landschaftspfleger zur Instandsetzung dieser wertvollen Flächen gefragt.
Die landwirtschaftlichen Unternehmen sind gegenwärtig überwiegend auf eine intensive Produktion ausgerichtet.
Extensive Nutzungsformen sowie landschaftspflegerische Aufgaben werden von behördlicher Seite gefördert oder von Kleinbetrieben übernommen.
Für die Pflege der Magerrasen im Projektgebiet werden Schäfer im Rahmen des Vertragsnaturschutzes gefördert.

In der Karstlandschaft wurde und wird ein Abbau von Gips, Anhydrit und Dolomit betrieben. Während der Gips im Mittelalter noch in Handarbeit aus kleinen Gruben und Höhlen gewonnen wurde, entwickelte er sich im 19. Jahrhundert industriell und erfolgt in den Bereichen "Kohnstein", "Alter Stolberg" und "Ellricher Klippen" seit mehr als 100 Jahren.

Zu den Schwächen der Region zählt insbesondere der allgemeine Trend der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung, der durch die Abwanderung von Facharbeitskräften (anhaltend seit 1990) noch verstärkt wird, sowie die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, eine geringe Kaufkraft und das im Verhältnis zu anderen Regionen Deutschlands verhältnismäßig geringe Wirtschaftswachstum.
Nach dem Wegbrechen von Industrie- und Gewerbebranchen nach 1990 bildet der umwelt- und sozialverträgliche Tourismus heute in der Südharzer Karstlandschaft einen der Hauptentwicklungsbereiche. Regional bedeutsame Tourismusorte sind z.B. die staatlich anerkannten Erholungsorte Ellrich/OT Sülzhayn und Ilfeld sowie der Luftkurort Neustadt.
In der Südharzer Karstlandschaft bietet die Entwicklung einer naturraumbezogenen länderübergreifenden Kurortentwicklungsachse Bad Sachsa - Sülzhayn - Ilfeld - Neustadt - Stolberg überregionale Synergieeffekte.
Im oder am Projektgebiet liegende Beherbergungs- und gastronomische Einrichtungen setzen sich im Rahmen des Karstfördervereins für die Erhaltung der Karstlandschaft ein.

Im Rahmen einer engagierten Partnerschaft, d.h. der länderübergreifenden Arbeitsgemeinschaft "Südharzer Karstwanderweg"  werden seit einigen Jahren die Kräfte für den Schutz der Karstlandschaft und die Ausgestaltung des überregional bedeutsamen Karstwanderweges gebündelt. Dies liegt grundsätzlich im öffentlichen Interesse, weil diese Maßnahmen der Erhaltung und Verbesserung der Natur- und Kulturlandschaft, der Besucherlenkung sowie der Sensibilisierung der Bevölkerung für Umwelt- und Naturschutzbelange dienen.
Es ist erklärtes Ziel der Arbeitsgemeinschaft, das Niveau des Karstwanderweges als Alleinstellungsangebot weiter zu verbessern, um mittelfristig in einer koordinierten Zusammenarbeit seine Zertifizierung mit dem Gütesiegel  "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" zu erlangen sowie die weitere Vernetzung sowie Erschließung der naturraumbezogenenen und touristischen Attraktionen des Weges unter dem Slogan: "Drei Länder - Ein Weg - Karstwanderweg" zu sichern.

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