Ernst Gölitz

Ein Wegbereiter Neustadts zum Kurort

Nachdem 1867 in Neustadt ein Verkehrsverein gegründet worden war und danach ab 1870 Kurhaus und Badehaus entstanden, musste man auch Kuranlagen incl. Spazier- und Promenadenwege errichten, um den Ansprüchen der Kurgäste genügen zu können. So entstanden auch damals schon um Petersberg, Heinrichsburg, Knie- und Spielberg, Spazier- und Wanderwege, die aber, wie Gölitz sich später ausdrückte, - ohne Plan und Zusammenhang und nach dem Augenmass ungeschulter Arbeiter aufs Geratewohl entstanden. So ist es der Tatkraft, Beharrlichkeit und Sachkenntnis Ernst Gölitz' zu danken, dass die vorhandenen Wege ausgebaut, aber auch viele neue angelegt wurden. Er verband sein Wirken auf der Burgruine Hohnstein mit der Landschaftsgestaltung auf dieser und auf den Wegen herauf zur Ruine mit forstwirtschaftlichen Erwägungen. Es würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, wollte man sämtliche Haupt- und Verbindungswege, die von Gölitz um den Knieberg - Spielberg - Graseberg und rund um den Hohnstein neuangelegt wurden, beschreiben. Dazu zählten auch viele Sitzgruppen mit freigeschlagenen Aussichten, die im Laufe der Zeit verschwunden bzw. zugewachsen sind, Es kann also nur eine kurze Erläuterung zu den wichtigsten Wegen erfolgen. Gölitz` vorrangiges Hauptziel gipfelte in der vielfältigen touristischen Erschließung der Ruine Hohnstein. Dies bedeutete: Beseitigung von Baum- und Buschwuchs. Beräumung von Mauerschutt und Unrat. Dabei wurden auch historische Funde gemacht, die vornehmlich nach Stolberg verbracht wurden. Am Ende dieser Arbeiten, die etwa von 1898 bis 1903 erfolgten, stand eine Vermessung der nun zu Tage gekommenen vielen Räumlichkeiten und deren Zuordnung in die Funktionalität der Burgnutzung. Im Laufe dieser Arbeiten im und am Burggelände entstand der nachmalige "Fürst Wolffgang Weg" und der "Ilfelder Weg" am Nordhang des Burgberges als erste neue Weganlage. Danach widmete sich Ernst Gölitz weiter vor allem dem Aus- und Neubau von Forstwegen, Spazier- und Promenadenwegen. Dieser, der Weiterentwicklung Neustadts zum angesehenen Luftkurort so wichtigen Aufgabe, galt jetzt seine besondere Aufmerksamkeit. Ein reger Schriftverkehr mit der fürstlichen Kammer in Stolberg und dem Gemeinderat in Neustadt in den folgenden Jahren bis 1908 gibt darüber Auskunft. In dieser Zeit entstand eine bedeutende Verbesserung des "Kaiserweges", sodass diese Hohnsteinauffahrt auch für "Equipagen gut befahrbar wurde", wie sich Gölitz ausdrückte. Auch die uns Älteren noch gut bekannte und auch von uns in jedem Winter genutzte "Rodelbahn", ist damals errichtet worden. Der mit Kastanien bestandene Weg am "Knick" und "Spielberg" entstand als Verbindung zwischen dem "Kurhaus" (heute Krankenhaus) und dem "Hotel Hohnstein" mit dem grossen Speisesaal (heute Saal Hohnstein). Beide in Bewirtschaftung von Hermann Kronberg, dem die Entwicklung Neustadts zum bekannten Kurort hauptsächlich zuzuschreiben ist. Auch die Gestaltung der Anlagen rund um die Kirche sind der Initiative von Ernst Gölitz zu danken. Er hat hier die im direkten Umfeld von Neustadt vorkommenden Gesteine, vor allem Kalk, Gips und Porphyrit gartenbaugestalterisch eingesetzt. Auch als Vorsitzender des Harzklubzweigvereins Neustadt von 1898 bis 1914 hat er aktiv für die Bewahrung von Harzer Brauchtum und für die Erschließung unserer schönen Landschaft für breite Kreise der Bevölkerung gewirkt. Man muss heute zu der Feststellung kommen: Dieser Mann hat sich um die Entwicklung Neustadts zum Kurort verdient gemacht! Auch nach bereits 100 Jahren ist sein segensreiches Wirken vielerorts erkennbar.

Ansprache

Ernst Gölitz

Wir weihen heute für den Revierförster Ernst Gölitz ein Denkmal ein, der vor rund 100 Jahren in und um Neustadt gewirkt hat. Wer war dieser Mann und was hat er vollbracht, dass man ihn für würdig erachtet hat, so geehrt zu werden?! Ernst Gölitz wurde am 25. März 1864 auf dem gräflich Stolbergschen Vorwerk Rodeberg bei Urbach geboren. Sein Vater war Förster. Es lag also nahe, dass Sohn Ernst auch diesen Beruf erlernen würde. Folglich besuchte er nach der Grundschule von 1880 bis 1881 die Forstschule in Großschönebeck. Führung: tadellos. Pünktlichkeit, Fleiß und Gehorsam lobenswert. Zeigt reges Interesse für die Waldgeschäfte. Sicher für die Jagd und ist ein ziemlich guter Schütze. – Das waren die Hauptnoten seines Abschlusszeugnisses! Er diente zwei Jahre im Rheinischen Jägerbataillon Nr. 8 in Zabern. Von 1886 an ist Gölitz Büchsenspanner und Revierjäger auf Lebenszeit im gräflich Stolberg-Stolbergschen Forst mit einem jährlichen Gehalt von 600,- Mark. Am 20. September 1896 wurde Gölitz Förster des Revieres Neustadt. Mit Wirkung vom 23. November 1898 wurde ihm der Titel und Rang eines fürstlichen Revierförsters verliehen. Ernst Gölitz trat 1896 die Nachfolge von Forstassessor Greve an, der 1887 Mitbegründer des Harzklubs in Neustadt war und gleichzeitig dessen erster Vorsitzender. Unter Leitung von Ernst Gölitz stieg die Mitgliederzahl des Harzklub-Zweigverein Neustadt unterm Hohnstein von 28 im Jahre 1898, auf 40 Mitglieder im Jahr 1912 an. Dieser Mitgliederzuwachs ist sicher dem entschiedenen Auftreten von Gölitz zu danken, der sich durch sein Engagement für Tourismus und Fremdenverkehr im guten Einklang mit forstwirtschaftlichen Maßnahmen einsetzte. Auch dieser mit Kastanienbäumen bepflanzte Weg, an dem nun sein Gedenkstein steht, wurde von ihm angelegt. Er diente den Kurgästen der Familie Kronberg als Verbindungs-promenade vom damaligen Kurhaus (heute Fachkrankenhaus) zum Hotel Hohnstein mit dem großen Speisesaal (heute Saal Hohnstein). Damit brauchten die teils anspruchsvollen Kurgäste nicht den meist unangenehmen Weg (viele Landwirtschaftsbetriebe mit ihren Nebenerscheinungen) durch den „Flecken“ nehmen. Von 1898 an begann das segensreiche Schaffen von Ernst Gölitz für den Luftkurort Neustadt, oft auch damals „Bad Neustadt“ genannt. So ist es seiner Tatkraft, Beharrlichkeit und Fachkenntnis zu danken, dass die vorhandenen Wege ausgebaut, aber vor allem auch viele neue Wege angelegt wurden. Die Burgruine Hohnstein wurde von ihm in den Jahren 1898 bis 1903 erschlossen und dem Tourismus voll zugängig gemacht. Auch die Gestaltung der Anlagen rund um die Kirche ist Gölitz zuzuschreiben. Gölitz hat sich für die Erweiterung und Verbesserung des gesamten Spazier- und Wanderwegenetzes vor allem bei seiner Dienstherrin, der Fürstin zu Stolberg-Stolberg in Gestalt der fürstlichen Kammer sehr stark engagiert. Dies beweist der umfangreiche Schriftverkehr mit der fürstlichen Kammer zu Stolberg. Er zeigt dabei ein echt diplomatisches Geschick in der Verhandlung zwischen dem Rat der Fleckensgemeinde Neustadt und Stolberg unter Wahrung seiner Position als Revierleiter. So macht er außerdem immer wieder den Zusammenhang zwischen einem guten, gepflegten Umfeld, sprich Kuranlagen, Spazierwege und Promenaden und den daraus folgenden guten Ergebnissen der Gastronomie und anderer Gewerbebetriebe deutlich. Leider endete das Leben von Ernst Gölitz viel zu früh, bereits in seinem 51. Lebensjahr am 28. Juli 1914. Fasst man all das Erwähnte zusammen, kann man mit Fug und Recht sagen: Dieser Mann hat sich um die Entwicklung Neustadts zum bekannten und beliebten Luftkurort verdient gemacht. Auch nach 100 Jahren ist sein Wirken vielerorts spürbar!

R. Ströbele

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