Der Dichter Paul Ernst und seine Zeit in Neustadt

Sucht man nach den Wurzeln dieses großen Denkers und Philosophen, so wird man in Nordhausen fündig. Dort hatten die Vorfahren des Dichters als Ratsherren und Bürgermeister über zweihundert Jahre gewirkt, mit Justas Jonas und Michael Meyenburg den Boden für Luthers Reformation vorbereitet. Später aber im Bergbau ihre Bedeutung und auch Vermögen verloren. Paul Ernst erblickte als Sohn des Pochsteigers Joh. Christ. Fr. Wilhelm Ernst und Auguste Henriette, geb. Dittmann, am 07.03.1866 in Elbingerode das Licht der Welt. Fünf Jahre später siedelte die Familie nach Claustal über, wo Paul Ernst das Gymnasium besuchte, aber nach einer Konfrontation mit dem dortigen Direktor sein Abitur in Nordhausen machte. In Göttingen studierte er zunächst Theologie und Philosophie, später in Berlin Nationalökonomie. Hier lernte er auch das für Deutschland neue Fach Soziologie kennen und kam mit den Begründern dieser Wissenschaft in Kontakt. Aus Sehnsucht nach praktischen Lebenserfahrungen ging er als Praktikant für etwa ein Jahr in die Fürstliche Domäne in Roßla, um sich dann bei der Stadt Nordhausen als Magistrats-Volontär zu bewerben. Hier entstand auch das Schauspiel "Lumpenbagasch", was mit großem Erfolg am Nordhäuser Theater aufgeführt wurde und ihn ermutigte, als freier Schriftsteller nach Freudenthal bei Berlin zu gehen. Dort verstarb seine erste Frau nebst Kind nach noch nicht einmal einjähriger Ehe. Sein Vater hatte nach seiner Pensionierung in Neustadt/Südharz in der Burgstrasse Nr. 52 ein geräumiges Bauernhaus mit großem Garten gekauft. Aber schon ein Jahr später verstarb im Jahre 1904 seine Frau und wurde in Neustadt beigesetzt. Paul Ernst hatte inzwischen eine Louise v. Benda in Weimar geheiratet. Diese Verbindung eröffnete ihm nicht nur neue gesellschaftliche und berufliche Perspektiven, sondern erweiterte auch seine Vermögensverhältnisse beträchtlich. In Weimar starb sein Vater im Alter von 79 Jahren und wurde dort bestattet. Woran diese zweite Ehe des Dichters scheiterte, ist nicht bekannt. Als Paul Ernst im Juni 1916 mit seiner dritten Frau Else in das elterliche Grundstück in Neustadt/Südharz zog, staunten die Nachbarn über die komfortable Einrichtung und riesige Bibliothek. Die folgenden, vom 1. Weltkrieg überschatteten 2 Jahre beschreibt Frau Ernst ausführlich in ihren Memoiren, vermutlich aber erst nach 1933. Die Beurteilung der Einwohner Neustadts im Negativbereich ist dabei kaum zu überbieten. Selbst die eigenen Hausangestellten und nächsten Nachbarn werden dabei nicht verschont. Die Briefe des Dichters an den Käufer seines Hauses aus Österreich sprechen dagegen eine andere Sprache. Selbstverständlich lebten im hübschen Luftkurort im Südharz zu keiner Zeit nur weiße Schafe. Die Kontakte der Familie Ernst sind auf Grund der damaligen Bevölkerungsstruktur begrenzt und beschränken sich auf Hermann Kronberg, Baron v. Eberstein, Prof. Berger und Bürgermeister Köhler. Aus den unteren Bevölkerungsschichten wird lediglich der Maurer Hohmann, nicht zuletzt wegen seiner handwerklichen Fähigkeiten, mehrfach und liebevoll erwähnt. Hohmann wohnte damals in der heutigen Burgstrasse Nr. 22. Die kriegsbedingte Einschränkungen in der Lebensmittelversorgung konnte das Ehepaar Ernst mit ihrem etwa 5-jährigen Sohn Karl durch die intensive Nutzung des großen Gartens und damit möglicher Kleintierhaltung entschärfen. Bei Fußwanderungen zur Nordhäuser Talsperre, Stolberg, Nordhausen und Ilfeld wird die nähere Umgebung erkundet. Zweimal führte eine Wanderung, unter teilweiser Nutzung der Bahn, sogar in das Bergtheater Thale, wohl auch, weil dort Werke des Theaterautors Ernst auf dem Spielplan standen, wobei die landschaftlichen Reize des Harzes bei Frau Else tiefe Eindrücke hinterließen. Aber auch längere Reisen standen häufig auf dem Plan des Ehepaares Ernst. Im Vordergrund standen dabei Kontakte zu den Vertretern der Geisteswissenschaften oder Kollegen des Dichters. Solche Reisen führten u.a. nach Bamberg, Frankfurt, Karlsruhe, Heidelberg und mehrfach nach München. Wobei beim letzten Besuch in München die Voraussetzungen für den Wegzug von Neustadt/Südharz. geschaffen wurden. In Neustadt schrieb der Dichter den "Zusammenbruch des deutschen Idealismus", das Schauspiel "Pantalon und seine Söhne" und das Drama "York" Schauspiel. i. 5 Aufz.. Vermutlich im Frühjahr des Jahres 1918 verließ die Familie Ernst Neustadt für immer und zog auf das Gut Sonnenhofen in Königsdorf/Oberbayern. Den Grund für diesen Umzug fand Paul Ernst in dem befürchteten Ausgang des 1. Weltkrieges und seiner Folgen. Eine endgültige Heimat fand die Familie Ernst aber erst in Österreich, St. Georgen a. d. Stiefing/Steiermark. Hier kaufte man ein Schloss mit 20 Zimmern, 5 ha. Grund und Boden, betrieb Obst- und Weinanbau und führte wieder ein zufriedenes Leben. Seinem Schicksal ist Paul Ernst aber auch dort nicht entgangen, denn die Inflation erreichte ihn auch in Österreich und von seinem ehemals beträchtlichen Vermögen verblieben ihm am Schluss etwa 10%. In einem ausführlichen Brief vom 25.01.1929 beschreibt er nicht nur seine finanziellen Verhältnisse, sondern auch, dass die Familie zeitweise richtig gehungert hat. Eines ist ihm aber geblieben, nämlich die Liebe und Sehnsucht nach seiner Harzer Heimat. Das ist die Erkenntnis aus 4 Briefen zwischen 1926 und 1933, die er an den Käufer seines Hauses in Neustadt/Südharz schrieb. Es ist dem heutigen Besitzer seines Hauses, Herrn Günter Schökel, zu verdanken, dass sich der Weg des Dichters weiter verfolgen ließ. Am Ende dieses Weges steht das geistige Vermächtnis in Form der gesammelten Werke in 19 Bänden, verwaltet von der Paul-Ernst-Gesellschaft in Neu-Ulm. Am 13. Mai 1933 ist der Dichter Paul Ernst im Alter von 67 Jahren verstorben.

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